Nannys sind was für Rabeneltern!

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Der große Balance-Akt zwischen Kind & Karriere

 

Hierzulande scheint noch immer zu gelten: Wer Mutter sein will, muss leiden können. Die einen, weil sie schon kurz nach der Geburt wieder an ihre bisherige Karriere anknüpfen – als tragende Säule müssen oder wollen sie weiterhin einen Beitrag zum Familieneinkommen leisten, was ihnen aufgrund gesellschaftlicher Vorurteile und dem Mangel an flexiblen Betreuungskonzepten aber unglaublich schwer gemacht wird.

Die anderen leiden, weil sie sich für den klassischen Weg und ein eher konventionelles Rollenverhältnis (Mann arbeitet, Frau bleibt zumindest für eine längere Zeit zu Hause und stellt ihre Karriere im Fall der Fälle für die Familie hinten an) entschieden haben. Während sich die berufstätigten Mamas dauerhaften Schuldgefühlen, vorwurfsvollen Blicken, kräftezehrendem Multitasking und hohem Druck im täglichen Orga-Wahnsinn gegenüber sehen, darf sich die andere Seite an „liebevollen Nachfragen“ des eigenen Umfelds erfreuen: „Du arbeitest nur halbtags? motherhood_kreide_lilagreenblogWie schöööön! Aber eigentlich könntest du auch schon wieder ein bisschen mehr arbeiten, jetzt wo der Kleine aus dem Gröbsten raus ist, oder? Also das meine ich jetzt überhaupt nicht vorwurfsvoll, aber er ist ist ja nun auch schon fast 12 Monate alt.“

Selbstverständlich gibt es auch diejenigen, bei denen alles rund läuft. Die sich wohlfühlen, wo immer sie sind – zu Hause oder im Büro. Die Unterstützung und Anerkennung erfahren oder eben über das nötige Selbstbewusstsein verfügen, über alles andere einfach hinwegzuhören. Das sind aber leider nur die Wenigsten. Persönlich kenne ich ehrlich gesagt sogar keine Einzige.

 

Was Deutschland von der Welt noch alles lernen kann…

Die Frage, ob Kinderbetreuung innerhalb oder außerhalb der Familie stattfinden soll, stellt Eltern vor eine immense Aufgabe, die zum Zeitpunkt des Kinderwunsches in dieser Dimension nur schwer bis gar nicht abzusehen ist. So romantisch und pur der Wunsch sein sollte, der einer Familien-Gründung vorausgeht, so schrecklich nüchtern und objektiv muss er im Großteil aller Fälle später abgewickelt werden. Das ist schade. Sehr schade.

Doch leider ist Deutschland nicht Schweden, wo ein 24-Stunden-Kindergarten-Service etwas ganz Normales ist. Wo Eltern arbeiten können, wann es ihr Job verlangt: Tagsüber, nachts oder am Wochenende. Ohne, dass sie von Erziehern und anderen Eltern mit strafenden Blicken und Kommentaren konfrontiert werden. Dafür aber mit dem Gefühl, dass ihre Kinder zu den glücklichsten überhaupt gehören, sie liebevoll betreut werden und absolut kein Problem mit flexiblen Modellen wie diesen haben.

Deutschland ist auch nicht Amerika, wo das Einbinden von Au-Pairs und Nanny’s in die eigenen Familienstruktur alles andere als verwerflich ist. Wer aber bei uns nicht gerade zu den oberen Zehntausend gehört, bei denen Kindermädchen zum Alltag gehören, dem kann man nur viel Spaß wünschen, wenn die ersten Eltern und Erzieher mitbekommen, dass man sein Kind von einer Nanny abholen lässt. Natürlich ist das kein Verbrechen, fühlt sich aber fast genauso an.

motherhood_basteln_lilagreenblogDeutschland ist auch nicht Finnland, wo fast alle Kinder bereits mit einem Jahr in die Kita gehen und die Betreuung durch staatliche Zuschüsse attraktiv unterstützt wird. Deutschland ist auch nicht Frankreich, wo das Bild der modernen, emanzipierten Mutter und berufstätigen Frau gefeiert wird und der Steuersatz mit jedem Kind sinkt.

Deutschland ist Deutschland. Ein wundervolles Land, aber leider auch ein Land mit so viel Vorurteilen und einem Mangel an objektiver Selbsteinschätzung. Ein Riese, der sich im internationalen Vergleich der Kinderbetreuung so unglaublich behäbig und unflexibel anstellt.

Zu gerne erzählen wir, wie modern wir doch sind, mit welch großen Schritten die Gleichstellung von Mann und Frau in der beruflichen Welt voranschreitet und wie stolz wir auf die vielen erfolgreichen Frauen sind. Ja, all die vielen erfolgreichen Frauen ohne Kinder. Denn in Wahrheit sinkt die Geburtenrate mit steigender Erwerbstätigkeit, weil sich immer mehr Eltern beim Spagat zwischen Kind und Karriere überfordert und nur wenig unterstützt fühlen.

 

Wir brauchen dringend mehr Flexibilität & Akzeptanz – politisch und gesellschaftlich!

Ich habe mich damals nach der Geburt meines Sohnes für den schnellen Weg zurück in den Job entschieden. Gut angefühlt hat sich das leider nicht immer. Rückblickend habe ich mich so viele Momente ausgelaugt, müde, dauernd gehetzt, häufig unerfüllt und schuldig gefüllt. Und am Ende ist es mir nicht gelungen, dem Druck aus beiden Welten standzuhalten und ich musste mir eine berufliche Auszeit nehmen. Zudem habe ich als Mutter viel verpasst, was ich nicht zurückholen kann.

Auf der anderen Seite konnte ich mir als Unternehmer und Dienstleister nicht erlauben, für längere Zeit von der Bildfläche zu verschwinden. So gut und lang die Kundenbeziehungen auch sein mögen, am Ende zählt in unserem Geschäft nur Leistung und volle Präsenz.

Vielleicht würde ich diese Aufgabe mit dem Erfahrungsschatz von heute und dem dadurch gewonnen Selbstbewusstsein besser bewältigen. Vielleicht würde ich es sogar schaffen, nicht nur der Arbeit, dem Kind, dem Partner, den gesellschaftlichen Verpflichtungen, sondern auch mir selbst gerecht zu werden. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Was mir damals wie heute aber ganz sicher entscheidend geholfen hätte, wäre mehr Unterstützung und Toleranz gegenüber modernen Betreuungsmodellen.

1 comment

  1. 1

    Wir brauchen dringend flexiblere Betreuungszeiten. Und mehr gutes Personal in Kitas und Kindergärten. Vor allem Arbeitgeber und Unternehmen sind hier gefordert, auf die Politik können wir nicht warten

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