LIEBE – könnte so einfach sein…

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Verdammt, wie ging das mit der Liebe noch gleich?!

Über das “Loslassen” und “Festhalten”

 

Liebe ist ein großes Wort. Noch viel größer fühlt sie sich an, wenn man ihr persönlich gegenübersteht. Auch dann, wenn man gerade dabei ist, sie zu verlieren. Wir – die Generation Y – scheint derzeit getrieben wie lange nicht, sie in ihrem Versteck aufzuspüren und in unser Leben zurückzuholen. Denn trotz aller Optionen haben wir die Liebe zuletzt in so vielen Bereichen schmerzlich vermisst…

Da stehen wir nun. Die Teenies der Jahrtausendwende, die bei allen Möglichkeiten und Freiheiten, die uns das Leben bietet, wieder verstärkt nach Rückhalt und einer festen Base suchen. Die ersten getrennt lebenden Eltern, die ihr Familien-Unternehmen gegen die Wand gefahren haben. Die unvermittelbaren Dauer-Singles, denen schon längst keiner mehr glaubt, wie glücklich sie doch sind. Die weitgereisten Erfolgstypen, die nach der Schule auf so ziemlich allen Kontinenten dieser Welt an ihrer Karriere gefeilt haben, sich nun aber wieder nach Heimat und Familie sehnen. Die ehemals perfekten Fernbeziehungen, die auf einmal den dringlichen Wunsch nach Nähe verspüren.

 

Der Kampf von Egoismus & Kompromissbereitschaft

So unterschiedlich wir (die wir hier gestern gemütlich bei einem Fußball-Bier zusammenstanden) auch sein mögen, so einig fiel doch unser Fazit aus: Nach allen Höhen und Tiefen sind wir reifer geworden. Erwachsener. In der Liebe wollen wir keine Spielchen mehr spielen wie in den Zwanzigern und sehen uns in der Lage, dem anderen Raum zu lassen. Wir wollen an Unterschieden wachsen, uns gegenseitig inspirieren. Um glücklich zu sein, müssen wir längst nicht mehr „Eins“ mit dem Partner werden. Kurzum: Wir sehen vieles klarer und deutlich entspannter als früher.

Von wegen! Alles nur LUG & TRUG! Mehr Schein als Sein! Denn um ehrlich zu sein, sind wir vor allem eines geworden: Unfassbar kompromisslos! Verbohrt, eigensinnig, Ich-bezogen, egoistisch, voller Erwartungen und Ansprüche. Das ist grundsätzlich auch erst einmal gar nicht so verkehrt. Denn positiver Egoismus heißt auch, zuallererst auf sein eigenes Baugefühl zu hören: Was versucht mir diese kleine Stimme namens Intuition gerade ins Ohr zu flüstern? Was tut mir gut? Was wünsche ich mir? Wovon sollte ich besser Abstand nehmen?

 

Haben wir das “lieben” etwa verlernt?!?!

Aber wo hört nun positiver Egoismus auf und wo fängt gesunde Kompromissbereitschaft an? Wo beginnt in einer guten Beziehung individuelle Freiheit und wann laufen wir Gefahr, das „Gemeinsame“ zu verlieren, bevor wir es überhaupt aufgebaut haben? Welche Rolle sollte ein liebender Partner spielen und wo wollen wir einfach nur persönliche Missstände durch eine andere Person kompensieren? Bedeutet wahre Liebe „Loslassen“ oder „Festhalten“ – insbesondere dann, wenn es mal schlecht läuft?

Das hohe Maß an Unabhängigkeit ist eines der größten Geschenke unserer Generation. Mitunter aber leider auch unsere größte Last. Wir haben verlernt, uns über längere Sicht hinweg zu engagieren. Uns reinzuhängen. Für Dinge und Menschen, die es wert sind, einzustehen. Wir sind getrieben von der Suche nach Glück. Aber nur wenigen Menschen und Umständen gewähren wir ausreichend Zeit, sich frei zu entfalten. Wenn uns etwas anstrengend erscheint, halten wir sofort Ausschau nach etwas, das unkomplizierter ist. Und die Auswahl ist riesig. Für Männer ebenso wie für Frauen…Heutzutage ist es ein Leichtes, den Blick einfach in eine andere Richtung zu lenken.

Und so stellt sich die Frage: Warum sollte ich an einem Partner festhalten, der mir diese und jene Wünsche nicht (unmittelbar) erfüllt? Es gibt schließlich genug potentielle Alternativen, die mir genau das sofort geben würden. Und warum sollte ich an einer alten, gewachsenen Beziehung festhalten, wenn sie mir anstrengend, unfrei und eingefahren erscheint? Irgendwann wird schon jemand Neues kommen…Jemand, bei dem alles viel einfacher ist…Davon abgesehen bin ich mit mir selbst auch schon recht glücklich. Einen Partner um jeden Preis?! Den brauche ich nicht…

Ja, da ist viel Wahres dran. Und auch viel Gutes…Unser neu gewonnenes Selbstbewusstsein ist toll und wichtig. Es kann uns helfen, endlich davon loszukommen, mit einem Partner jenes Glück kompensieren zu wollen, das wir bis dato nicht selbst in unser Leben holen konnten. Es nimmt den Druck aus einer Beziehung. Aber zugleich bedeutet echte Liebe auch gelebtes Miteinander. Nähe, Gemeinsamkeiten aufbauen und sich aufeinander einzulassen. Schlichtweg: Sich einem anderen Menschen zu öffnen. Ihm einen Platz in seinem Herzen zu geben und ihn in sein Leben zu holen.

 

Tinder & Co: Die perfekten Fluchthelfer

Aber genau das macht unserer Generation auch Angst. Große Angst…Haben wir doch all die Jahre gelernt, uns von allem frei zu machen, was bindet. Wir sind überall auf der Welt zu Hause, flexibel wie nie. Aber so langsam spüren wir, wie viel Vergängliches darunter weilt. Und so wagen wir den zaghaften Versuch, uns wieder auf einen anderen Menschen einzulassen. Pläne zu schmieden. Gefühle zuzulassen und ein Risiko einzugehen.

Das eine Mal fühlt es sich toll an, das andere Mal würden wir am liebsten davonrennen…Ein „Wisch“ bei Tinder, mal eben schnell ein paar alte Facebook-Kontakte aus der aktiven Flirt- und Party-Zeit mobilisiert oder wenn noch mehr „Neues“ gefordert ist, einfach bei XING dem Headhunter auf seine Mail antworten – und fragen, ob das Jobangebot eventuell auch für Übersee gilt…Flüchten ist heute einfacher als jemals zuvor…

Aber Liebe lohnt! Es gibt viel zu verpassen! Stellen wir uns der Herausforderung und öffnen wir uns! Lassen wir uns darauf ein! Mit vollem Risiko! Auf die Wünsche des anderen einzugehen, ohne sich selbst zu verlieren…Investieren wir! Auf der anderen Seite: Gestehen wir uns aufrichtig ein, wenn alte Wege eingefahren sind. Dann, wenn eine Beziehung nur noch von Sicherheit und Gewohnheit lebt. Oder auch dann, wenn eine vermeintliche Liebe die völlig falschen Ziele verfolgt oder es in Wahrheit gar nicht um sie geht. Oder im schlimmsten Fall vielleicht auch noch nie zuvor um sie gegangen ist…

 

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt…

Geben wir unseren Beziehungen wieder mehr Zeit und Luft auf natürliche Weise zu wachsen. Wagen wir den Kontrollverlust! Schenken wir uns und anderen wieder mehr Geduld! Liebe lässt sich nicht beschleunigen, digitalisieren, bemessen oder vorhersagen. Wir können ihr Erfolgsrezept nicht googeln und auch wenn wir nach Amerika oder Australien auswandern, wird sie nicht einfacher. Kein Navigationsgerät dieser Welt kennt ihre Route. Sie ist der unberechenbare Faktor in unserem Leben. Ich sage: Gott sei Dank – es gibt ihn noch! Liebe kann uns beflügeln oder völlig aus der Bahn werfen. Sie sorgt für die atemberaubendsten Momente – im Positiven wie Negativen. Sie lässt unser Herz schneller schlagen oder vor Schmerz verstummen…Aber ist es nicht gerade jenes Fünkchen Ungewissheit – in unserer sonst so durchkalkulierten und routinierten Welt – das Liebe so aufregend und lebenswert macht?!

5 Comments

  1. 1

    HAbe schon das Gefühl, dass es für unsere Generation schwer ist, glücklich zu sein und zu lieben. Aber will daran glauben

  2. 2

    Unser Streben nach Individualität lässt uns kompromissloser werden als vergangene Generationen es bislang waren. Das macht die große Liebe definitiv schwieriger.

  3. 4

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