Lerne “Nein” zu sagen!

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Warum ist „Nein sagen“ eigentlich so verdammt schwer?

Wenn wir ehrlich sind, kennen wir sie wahrscheinlich alle: Diese immer wiederkehrenden Momente, in denen wir uns nicht trauen, ein klares „Nein“ zu platzieren. Gründe gibt es viele: Wir haben Angst, jemanden zu verletzen oder zu enttäuschen. Wir wollen keine „Schwäche“ zeigen. Unseren eigenen Anforderungen und unserem tiefen Bedürfnis nach Harmonie gerecht werden. Bloß nicht anecken! Wir haben Angst vor Ablehnung und manchmal fehlt uns schlichtweg auch einfach der Mut. Nicht selten ärgern wir uns noch im gleichen Augenblick über uns selbst und in vielen Fällen sind die negativen Auswirkungen weitaus gravierender, als wir sie von einem „Nein“ erwartet hätten.

 

Ehrlich ist nicht immer angenehm

Wer es aber einmal gewagt hat, wird merken, so schlimm ist das gar nicht. Und vor allem ehrlicher. Für alle. Eigentlich müsste es zum menschlichen Grundgesetz erklärt werden. Denn es geht einher mit echter und persönlicher Freiheit. Schafft Raum. Wir alle wären besser dran, wenn wir klarer und aufrichtiger kommunizieren würden.

Aber will ich wirklich immer die Wahrheit hören? Fühle ich mich stark genug, sie auch tatsächlich zu ertragen? Ohne Wenn und Aber? Manchmal ja…Manchmal aber auch eben nicht…Und so machen wir uns innerhalb unserer zwischenmenschlichen Beziehungen auch immer wieder aufs Neue so unglaublich viel vor. Weil wir uns fürchten. Vor Verletzung auf beiden Seiten. Warum? Weil es unsere Gesellschaft permanent vorlebt, dass es gut und ehrenhaft ist, sich angepasst zu verhalten. Weil es der Erziehungsplan versäumt hat, uns zu lehren, wie man mit einem guten Gefühl „Nein“ sagt. Nur wenige hatten das Glück, dieses Instrument von Kindesbeinen an erlernen zu dürfen.

 

Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich eine andere…

Das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke und nicht das, was andere von mir erwarten, ist eine große Kunst. Zu sagen, was unseren Empfindungen entspricht wirkt befreiend. Konstruktiv. Öffnet neue Türen. Verschafft uns Respekt und Aufmerksamkeit bei unserem Gegenüber. Schärft die Sinne. Aber in der Realität sind so viele Menschen unfrei zu sagen, was sie wirklich fühlen und denken. Egal ob in einer Beziehung, bei Freunden, der Familie oder im Job. Auch wenn es hart ist, Ehrlichkeit hilft allen. Manchmal macht sie deutlich, dass Freund- oder Partnerschaften zu Abhängigkeiten wurden oder die beruflichen Ambitionen in die völlig falsche Richtung liefen.

Und ja, Gewohntes und Sicheres aufgeben, das macht Angst. Gelegentlich sogar panisch. Aber zugleich bedeutet es auch immer den Anfang von etwas anderem – „Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich eine neue“. Denn irgendwann wird trotz aller Angepasstheit so oder so der Tag kommen, an dem man nur mit Ehrlichkeit und Authentizität gewinnen kann. Und umso länger man sich selbst und anderen in die Tasche lügt, umso bitterer wird die Pille schlussendlich schmecken. Ein klares „Nein“ ist immer besser als ein „Ja“, das aus Gefälligkeit gesagt wurde.

 

Lerne „Nein“ zu sagen!

 

# Ein klares „Nein“ sollte im Vorfeld gut überlegt sein und möglichst frei von persönlichen Emotionen sein. Nimm dir bei Bedarf ausreichend Bedenkzeit und bestimme den Zeitpunkt des Gesprächs selbst.

 

# Trage Sorge dafür, dass weder Handy, Kollegen, Termine oder sonstiges dich unterbrechen können.

 

# Wohlwollend und positiv formulieren! Ein „Nein“ kann sowohl als verletzender Vorwurf ausgesprochen werden. Aber auch als aufrichtiges, wertfreies Nein, das aus einer ganz persönlichen Entscheidung heraus resultiert und nicht die Absicht verfolgt, jemanden anderen zu verletzen oder zu benachteiligen.

 

# Auf Gestik, Mimik, Stimme und Körperhaltung achten. Sei weder passiv, noch aggressiv. Rede langsam, nimm eine entspannte Körperhaltung an und suche den Augenkontakt.

 

# Begründe dein „Nein“ sachlich, damit jeder die Chance hat, Fakten und Beweggründe nachzuvollziehen.

 

# Deutlich formulieren. Den Mut haben, das „Nein“ auch wirklich als klares „Nein“ auszusprechen und keinen Raum für Missverständnisse lassen. Ein „Nein“ ist kein „Vielleicht“, kein „Irgendwann mal“ und kein „Jein“.

 

# Gib jedem die Möglichkeiten, dein “Nein” zu hinterfragen und offene Punkte für sich zu abzuklären.

 

# Ganz wichtig: Ein „Nein“ (wenn es denn tatsächlich nur ein einmaliges „Nein“ ist, das sich auf eine explizite Situation bezieht) muss kein komplettes „Nein“ bedeuten, das sofort alles grundsätzlich in Frage stellt. Mach deutlich, dass du zwar „Nein“ zu einer bestimmte Sache sagts, aber damit nicht automatisch „Nein“ zu allem, was noch in unmittelbarem Zusammenhang mit ihr steht.

 

# Last but not least: Machen! Probieren geht über Studieren. Übung macht den Meister und nimmt ihm seine Angst….

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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