Harmonie?! Das kann ich!

soft skills

Soft Skills: Fluch oder Segen?

In den letzten Monaten habe ich mit vielen tollen Frauen über ihre persönlichen Stärken und Schwächen gesprochen. Dass es ihnen in der Regel weitaus leichter fällt, ganz offen über Letztere zu sprechen, lasse ich an dieser Stelle für sich wirken…

 

Auch CEOs haben Angst

Stattdessen frage ich: Warum fällt es vor allem Frauen so schwer, selbstbewusst von ihrem Können zu berichten? Wann haben wir das letzte Mal unserem Vorgesetzten thematisch die Stirn geboten, weil wir es schlicht und einfach besser wussten? Warum meiden wir immer wieder konstruktive Diskussionen und Auseinandersetzungen mit unseren Kollegen? Wie oft haben wir einfach nichts gesagt, wenn jemand unsere Lorbeeren geerntet hat? Wenn er (oder sie) unsere Idee als seine ausgegeben hat? Warum geben wir so schnell auf, wenn eine richtig gute Idee von den Alpha-Männchen um uns herum bereits im Keim erstickt wird, ohne ihr eine echte Chance zu geben? Warum legen wir die wirklich guten Argumente dann erst gar nicht mehr auf den Tisch? Warum nehmen wir am Ende doch alles persönlich? Und warum können wir nachts nicht schlafen, wenn unser Chef heute Morgen einen klitzekleinen Verbesserungsvorschlag hinsichtlich unserer Präsentation geäußert hat?

Egal ob ich die taffe, erfahrene Karrierefrau, die mit 53 Jahren einen CEO-Posten bekleidet, interviewte oder die innovative, moderne Jung-Unternehmerin, die mit ihrer Idee ganz unerwartet durch die Decke ging: Sie alle verbindet ein unsichtbares Band aus mangelndem Selbstwertgefühl und großer Unsicherheit, den Anforderungen und Ansprüchen an ihre Person am Ende nicht ausreichend Rechnung zu tragen. Und mit jeder neuen Sprosse auf der Karriereleiter scheint die Angst in ungesunder Co-Existenz anzusteigen. Natürlich lassen sich diese Eigenschaften nicht pauschalisieren und schon gar nicht auf jede Frau schablonenartig übertragen. Aber die Häufigkeit der Parallelen lässt einen durchaus begründeten Zusammenhang vermuten…

 

Von den Männern lernen – und es trotzdem anders machen

Auf der anderen Seite sind auch nicht alle erfolgreichen Männer von unbändiger Lässigkeit geprägt, die tagtäglich Millionen von links nach rechts schieben oder unzählige Existenzen zu verantworten haben. Aber irgendwie wirken sie deutlich entspannter und souveräner. Das würde laut Umfrage auch jede zweite dieser Karriere-Frauen sofort unterschreiben.

Vor allem Frauen in männerdominierten Führungsetagen müssen stark sein. Das reden wir uns zumindest oft und gerne ein…Mit zunehmendem Erfolg verbieten wir uns immer mehr Schwächen. Von Fehlern ganz zu schweigen…Und dann ist da auch noch diese blöde Sache mit der Harmonie…Die Angst vor Abneigung, die Sorge anzuecken und nicht gemocht zu werden…

Machen wir uns endlich frei von dem Glauben, alles wissen zu müssen. Davon, perfekt zu sein. Wir können für eine bestimmte Aufgabe oder Jobposition die Beste sein, müssen aber trotzdem nicht alles können. Und auch nicht alles wissen…

Den wertvollsten Rat hat mir eine französische Unternehmerin mit auf den Weg gegeben – ihre Worte fühlten sich für mich wie eine Erlösung an: „Wer den Anspruch verfolgt, immer alles perfekt machen zu wollen, der kann am Ende nur verlieren.“ Sie war es auch, die mir erzählte, dass der Aufbau von gesundem Egoismus den entscheidenden Grundstein für ihren Erfolg legte. Erst als es ihr gelang, die Mauer der krankhaften Harmonie einzureißen, wurde ihre Karriere mit großen Schritten nach vorne gebracht.

Vielleicht sollten wir mehr von starken Männern lernen. Dinge wie Gelassenheit. Zuversicht. Souveränität. Das Prioritäten setzen. Das Abschalten. Das Nicht-Alles-Persönlich-Nehmen. Das Vertrauen in uns selbst.

Ich lehne mich hier nun ganz weit aus dem Fenster und behaupte: Das alles können die Männer einfach besser! Aber: Bitte lasst uns keine schlechtere Kopie werden! Lasst uns von ihrem Knowhow profitieren und unseren ganz eigenen, gestärkten Weg finden. Lasst uns einfach cleverer sein!

 

Egoismus – eine Frage der Perspektive

Ein weiteres Problem (oftmals weiblicher Natur): Frauen interpretieren Egoismus in der Regel komplett einseitig und empfinden ihn als grundlegend negativ besetzt. Doch die gesunde Form schadet niemanden absichtlich, der eventuelle Konsequenzen nicht selbst hervorgerufen und zu verantworten hätte. Gesunder Egoismus macht klar, produktiv und befreit…Und er ist ehrlich…Ein Gewinn für alle…

Ein von mir sehr geschätzter Coach sagte kürzlich zu mir: „Wir sind Menschen. Und Menschen machen Fehler. Das ist ganz natürlich und kein Verbrechen. Zudem hat jeder das Recht, einer Tagesform zu unterliegen. Wir müssen uns nicht jeden Tag die weiße Weste anziehen. Genauso wenig wie das ‘Gute-Laune-Bär-Kostüm’. Weder aufgrund unserer beruflichen Position. Noch aufgrund der uns anvertrauten Verantwortung. Und schon gar nicht, weil irgendwer erwartet, dass es so sein muss. Auch wenn dieser ‘jemand’ wir selbst sind.“

 

 

 

 

1 comment

  1. 1

Hinterlasse eine Antwort

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

You May Also Like