Frauen in Führungsetagen – aber bitte ohne Geschlechterk(r)ampf!

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Wie viel Frauenquote brauchen wir?

Da sitze ich diese Woche gemütlich in einem wunderschönen Hotel in Stuttgart und zelebriere mein Frühstück, bevor es ab zum ersten Termin geht.

Zwischen einem endlich mal wieder sensationellen Bircher Müsli und frisch gebratenem Omelette, blättere ich durch die “Süddeutsche”. Auf Geschäftsreisen ein unbezahlbarer “Nur-für-mich”-Moment, für den ich auch gerne extra früh aufstehe (auch deshalb gerne seeeehr früh, damit man evtl. noch die Chance hat, ganz ohne Gesellschaft und Small-Talk am Frühstückstisch in den Tag zu starten).

Gerade als ich genüsslich an meinem Cappuccino nippe, fällt mein Blick auf die “Nahaufnahme” im Wirtschaftsteil. Titel: “Griff nach der Macht”. Vorgestellt wird die neue Vorstands-Personalie der Commerzbank Bettina Orlopp.

Die ehemalige McKinsey-Beraterin wird erste Frau im Vorstand von Deutschlands zweitgrößter Bank. Großartig! Endlich! Finde auch ich… ABER: Ist es wirklich notwendig, dass der Leser noch nicht einmal 70 Wörter weit kommt, ohne über “zementierte Geschlechter-Verhältnisse” zu stolpern? Irgendwie ärgert mich das. Trotz des leckeren Frühstücks…Vielleicht bin ich aber auch einfach nur dem omnipräsenten Thema “Frauenquote” überdrüssig geworden und vergleiche nun Äpfel mit Birnen?! Vielleicht bin ich heute auch einfach nur übertrieben empfindlich?! Man bzw. Frau – also in diesem Fall ich – weiß es selbst noch nicht so genau…Und trinke erst einmal noch einen großen Schluck Cappuccino…

Für mich ist der Fakt, dass sich Bettina Orlopp als erste Frau an die Spitze der Commerzbank setzt, grandios genug. Respekt. Aber genügt das nicht schon? Müssen wir deshalb sofort wieder das Geschlechterthema auf die Agenda und in diesem Fall als Aufhänger für den ersten Text-Absatz nehmen? Bettina Orlopp hat es geschafft – das sind hier die News.

Während ihrer McKinsey-Zeit – heißt es im weiteren Verlauf – habe sie ihren damaligen Kunden, die Deutsche Bank, bei der Integration der Postbank sogar vorübergehend in Teilzeit begleitet. Sensationell! Es geht also doch – auch mit Kindern.

 

Leadership im Geschlechter-Fokus

Die “zementierten Geschlechter-Verhältnisse” stammen aus einem Vortrag von Frau Orlopp, im Rahmen dessen sie laut Süddeutsche forderte, dass Unternehmen dringend mehr investieren müssen, um mehr Frauen den Aufstieg an die Spitze zu ermöglichen. Natürlich hat sie recht. Auf der anderen Seite hat sie es ja schließlich auch irgendwie geschafft. Die Frage, die sich somit für mich stellt: Warum ausgerechnet sie? Und warum hat es keine andere Frau vor ihr geschafft?

Liegt es nicht zuletzt doch an der individuellen Persönlichkeit? Ganz egal, ob Mann oder Frau? An dem jeweiligen Biss, an dem Einsatz, an dem Ehrgeiz, an dem Knowhow, den Soft Skills und schlussendlich dem unerschütterlichen Willen? Wollten andere Frauen diese Posten genauso sehr? So sehr, wie die Männer, die bereits im Vorstand sitzen? Beziehungsweise so sehr wie Frau Orlopp? Waren sie bereit, auf all das zu verzichten und auszuhalten, wozu sich die aktuelle Vorstandsriege bereit erklärt? Bei allen beruflichen Ambitionen meinerseits – ich möchte ihren Job nicht geschenkt! Für kein Geld der Welt. Das ist verdammt hartes Brot. Aus vielerlei Gründen…

Ja, vielleicht war der Weg von Frau Orlopp beschwerlicher als der ihrer männlichen Vorstandskollegen. Gut vorstellbar. Ehrlich gesagt sogar ziemlich sicher. Aber war er deshalb schlechter? Zu gerne würde ich Bettina Orlopp fragen, warum ausgerechnet sie ihrer persönlichen Ansicht nach auf der Karriereleiter bis ganz oben durchmarschiert ist? Und keine andere Frau?!

Bis heute konnte mich noch immer kein schlagkräftiges Argument von Sinn und Notwendigkeit der Frauenquote überzeugen (Allerdings bin ich jederzeit offen für eines, das mich vom Gegenteil überzeugt. Solltet ihr also noch das ein oder andere auf Lager haben: Her damit!).

 

Der einfachste ist nicht immer der beste Weg

Am Ende geht es für mich daher vielmehr um das Individuum hinter der Führungsposition. Unabhängig davon, ob auf seinem Ticket “Mr.” oder “Ms.” bzw. “Mrs.” steht. Wollen die Frauen, die es vielleicht “nur” bis ins mittlere Management geschafft haben, die Top-Führungsposition wirklich genauso wie die Männer, die sich dort bereits etabliert haben? Wenn ja, würden sie es dann nicht auch so – ohne Quote und Bonus schaffen? Diese Frage müsste man all’ den weiblichen Spitzenkräften persönlich stellen…Nur sie könnten uns diese wirklich beantworten: “Wenn Sie heute noch einmal die Wahl hätten: Würden Sie für den von Ihnen bekleideten Posten – vor allem mit Blick auf die Strapazen und Herausforderungen, die Sie zu bewältigen hatten – noch einmal den gleichen Weg gehen? Oder würden Sie sich einiges davon gerne ersparen und auf den Rückenwind der Frauenquote zurückgreifen?” Wenn diese Frauen allesamt mit “Ja” antworten würden – okay, dann wäre das für mich in jedem Fall tatsächlich ein Pro-Frauenquote-Argument…

Bis dahin vertrete ich aber immer noch die Meinung: Jeder – ob Frau, ob Mann – kann alles schaffen, wenn er es wirklich will. Wenn er oder sie es eben mehr will als alle anderen. Mit allen Konsequenzen und allem Verzicht.

 

Mehr Unterstützung beim Balanceakt zwischen Familie & Job brauchen wir alle

Im Widerspruch dazu steht nicht – wie ich finde -, dass auch ich DRINGEND eine bessere VEREINBARKEIT von Beruf und Familie fordere. Flexible Betreuungskonzepte. Mehr Sicherheit für diejenigen, die sich trotz Karriere auch der Familie nicht entsagen wollen. Und last but not least: Eine von innen heraus gewachsene, gesellschaftliche Akzeptanz für eine Vielzahl unterschiedlichster Modelle.

Zusammenhalt, Rückhalt, Zwischenmenschlichkeit, soziale Kompetenz und ein gelebtes Miteinander – Werte, die unsere Gesellschaft aktuell mehr denn je benötigt. Und damit Familie in unserer karriereorientierten Welt eine echte Chance bekommt, müssen dringend flexible Betreuungs- und Arbeitszeit-Modelle für Fach- und Führungskräfte geschaffen werden.

Doch müssen wir auch dieses Thema gleich wieder auf einer geschlechterspezifischen Ebene diskutieren? Sollten Forderungen wie diese nicht vielmehr ein allgemein formulierter Wunsch von und für Frauen wie Männer sein? Welcher Elternteil sich wo und wie und wann und wie lange am Ende aus dem Business zurückzieht, um für die Familie da zu sein, sollte medial nicht schon vorab eindimensional gedacht und gelenkt werden.

Aber wie gesagt: Vielleicht bin ich heute auch einfach nur ein bisschen empfindlich ;-)

 

 

 

 

2 Comments

  1. 1

    Mich nervt das Thema auch, das stimmt. Aber ich finde, dass die Frauenquote schon einen Sinn hat. Den Mänenr in den Führungsetagen folgen sonst immer nur Männer. Guck dir mal die männlichen Netzwerke an, dort sind fast ausschließlich Männer. Und somit werden auch Nachfolgeregelungen hauptsächlich von Männern für Männern geregelt. Da haben Frauen unabhängig ihrer Qualifiaktion kaum eine echte Chance

  2. 2

    Ich sehe das ganz ähnlich und finde es toll, mal dieser erfrischend-anderen Sichtweise zu begegnen. Immer wieder tauchen die beiden Extreme auf: die Hausmütterchen-Rolle von anno dazumal versus der karrierebesessenen Emanze. Und absurderweise gibt es in beiden Gruppen eine große Anhängerschaft der Frauenquote. Ich für meinen Teil fühle mich in keiner der beiden Extreme zuhause und empfinde die Frauenquote trotz gewisser positiver Aspekte, die ich nicht leugnen möchte, als Mitleidsbekundung. Weil wir es nicht von alleine schaffen, hilft man uns eben auf die Sprünge. Wie bei einem Kind, das man ab und zu mal gewinnen lässt, damit es nicht zu gefrustet ist. Damit sind wir Frauen die offiziell Benachteiligten. Wir verhelfen uns aktiv zum Status einer Randgruppe, die wir doch eigentlich gar nicht sein wollen!? Widerspricht dieser künstliche Sonderantrieb nicht per Definition der Emanzipation, in der es doch im Wesentlichen um Freiheit und Unabhängigkeit geht?
    Für mich persönlich hat Karriere einen relativ großen Stellenwert und vielleicht bin ich in meinem bisherigen Werdegang zu gesegnet mit glücklichen Umständen, um mir ein realistisches Bild zu machen. Dennoch kann ich mir unter keinen Umständen vorstellen, dass es sicht gut anfühlt, dank einer Quote auf dem Chefsessel zu sitzen. Wie kann ich überhaupt wissen, ob mich die Quote hierher katapultiert hat oder ob ich es ausschließlich aus eigener Kraft geschafft habe? Und wenn ICH es weiß, was ist mit den anderen? Ich könnte es der Umwelt nicht mal übel nehmen, wenn diese misstrauisch ist, ob man wohl ausschließlich aufgrund seiner Qualifikation in der entsprechenden Position ist.
    Vielleicht erleichtert uns die Frauenquote den Aufstieg – aber macht sie uns den eigenen Stand, insbesondere nach dem Aufstieg, nicht umso schwerer?

    Auch MEIN Gefühl ist, dass nur sehr wenige Frauen mehr oder weniger bedingungslos die Karriereleiter bis nach ganz oben erklimmen wollen – so wie es doch einige Männer tun. Karriere per eigener Definition ja, aber eine Top-Mangement-Position mit allen Konsequenzen? Und das auch noch mittel- bis langfristig?
    Es mag Branchen geben, wo geschlechtertechnisch noch das Mittelalter herrscht, aber in etlichen Berufszweigen und Unternehmen kann JEDER seinen Weg machen, wenn er das Potenzial, den Ehrgeiz und den absoluten und uneingeschränkten Willen dazu hat. Nichts anderes beweisen Frauen wie Bettina Orlopp oder Marissa Mayer oder oder oder … Ob man diese Frauen beneiden darf, das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier und ist ebenso individuell, wie jeder Mensch selbst – unabhängig seines Geschlechts.

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