Wie Sie trotz Over-Acting einen Shitstorm verhindern!

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Gestern wurde ich aufgeklärt. Darüber, wie man denn heute so sprechen tut in unserer kleinen und ach so feinen Agenturwelt…

 

Get-together or get-nicht-together?

Nachdem ich mit einigen Kollegen aus dem weiten Feld der Marketing-Beratung an einem Roundtable über das Thema „Markenpositionierung im Live-Segment“ teilnehmen und sinnieren durfte, traf man sich im Anschluss zum besinnlichen Beisammensein mit kulinarischer Untermalung. Man könnte es auch ganz schnöde „Abendessen“ nennen. Von der Branche aber schlussendlich doch lieber als konspiratives Get-together betitelt.

Wie dem auch sei: Wir saßen, aßen und redeten. Alles hätte so schön und entspannt sein können, bis die Anglizismen aus der Marketing-Suppe gefischt wurden (für alle Nicht-Marketing-Menschen sei die Info gestattet: Nur selten ist diese Spezies in der Lage, ihre anstrengend aufgepumpte Fachsprache abzulegen, solange sie sich noch in der unmittelbaren Umgebung von Gleichgesinnten befinden. Selbst an der Hotel-Bar heißt es auch zu später Stunde unter Kollegen/Innen noch: Höher, schneller, weiter, besser! Mein Haus, mein Auto…Mein Kunde, mein Etat, meine letzte internationale Kampagne…Weshalb sich in der Regel immer eine kleine Gruppe „Sonderlinge“ von dem wilden Rudel niemals müde werdender Alpha-Männchen und -Weibchen absetzt, um sich verständnisloserweise auch mal dem Feierabend zu widmen. Sich einfach einem gemütlichen Absacker und ganz ungezwungen dem, was man unter Normalsterblichen als „Privatgespräch“ bezeichnet, hinzugeben).

 

Du bist doch auch sonst immer “so on point”?

So, nun aber zurück zum besagten Get-together. Nachdem nicht nur ich, sondern auch einige meiner Tischnachbarn ihr Schmunzeln über die phänomenale Wortgewalt Einzelner nicht mehr für sich behalten konnten, wurden wir erst einmal umfassend belehrt. Gott sei Dank, sonst wären wir wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit ein hoffnungsloser Fall verlorenerer Marketing-Seelen geblieben.

Und so lernten wir von einem geschätzten und sehr erfahrenen Kollegen: Als Agentur-Mensch sollten Mann wie Frau die Kunden wieder ein bisschen mehr mit marketingbasiertem Fach-Vokabular-Nonsens beglücken. Komisch, ich dachte, über den unnötig aufgeblähten und den auf vermeintlich fachspezifischer Kommunikation basierenden Anglizismus unserer Branche wären wir endlich hinweg?! Sorry, do you speak auch einfach ganz normal? Schließlich bist du doch auch ohne all das immer ‚so on point’?!

 

Lasst uns benchmarken!

Ja, werter Kollege. Sie haben Recht. Ausführliche Briefings, Brainstormings und Controlling im allgemeinsten aller allgemeinen Sinne sind wichtig. So wie klare Commitments. Trotz allem ziehe ich Case Studies wie diese im Rahmen unseres abendlichen Joint Ventures aufgrund ihres umfangreichen Inputs und den Human Relations einem konventionellen Meeting stets vor. Innerhalb der Reference Group lässt sich zwischen Antipasti, Rinderfilet und Crème Brulée zwar kein unmittelbarer Cash-flow genieren, dafür aber eine Vielzahl spannender Connections knüpfen.

Wenn Sie ein bisschen an Ihrer Personality, Ihrer Attitude und Ihrem Image arbeiten würden, sitzt Ihnen beim nächsten Mal vielleicht auch ein interessanter Global Player und vielversprechender Gatekeeper am Tisch gegenüber, der Ihnen mit jede Menge Good-will und Know-how dabei behilflich ist, Ihren persönlichen Marketing-Mix in einigen wenigen Details zu optimieren. Networking ist immer gut. Benchmarking auch. Damit Sie dank Ihres Over-Actings aber nachher keinen Shitstorm erleben, starten Sie lieber einen kleinen Relaunch und arbeiten Sie an Ihren Soft Skills. Dann klappt’s auch mit dem Workflow!

 

Ich gebe zu: Auch ich brainstorme, networke und over-acte gelegentlich!

PS: Und ja, natürlich haben die oben genannten “Fachausdrücke” auch in meinem Wortschatz – beruflich, aber auch privat – Einzug gehalten. Davon kann (und will) ich mich selbstredend nicht freisprechen…Und in vielen Bereichen verfügen Anglizismen & Co auch ganz sicher über eine verdiente Daseinsberechtigung und erfüllen ihren Sinn und Zweck. Aber vielleicht würden wir ab und an mit etwas weniger auch ganz gut fahren…Insbesondere dann, wenn man mit innovativen Worthülsen um sich wirft, ohne sich dabei mit Hintergrund, Content und thematischen Zusammenhängen zu beschäftigen…

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